Im Markt des Schreckens

Normalerweise versucht man ja seinen Gästen die merkwürdigen, eher unangenehmen Seiten des Gastlandes entweder zu ersparen oder zu einem späterem Zeitpunkt, so quasi nebenbei, einfließen zu lassen. So hatte ich das auch vor!

Leider kam ich auf die Idee, Ellen und Roland über den Frischmarkt nebenan zu führen. Ich hatte all die exotischen Früchte vor Augen, die ich bisher ja selbst nicht kannte oder die Gemüsesorten, die so interessant aussehen, aber auch ganz unbekannt sind. Dann noch all die frischen, gerade gefangenen Fische und Meeresfrüchte! Ja, die Fleischtheke ist weniger ansprechend, aber so ist halt das Leben hier!

Ich war dann ziemlich entsetzt, als ich eine Wanne voll kleiner Haie sah! Haie sind stark vom Aussterben bedroht, nicht nur weil in China Haifischsuppe als Delikatesse gilt, tatsächlich fallen die meisten Haie den Schleppnetzen zum Opfer. Auch hier waren sie sicher im Beifang.

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Gut, dachte ich, da kann ich jetzt auch ja nichts mehr dran ändern, Hauptsache der Besuch bleibt gelassen! Und während ich die armen Clownfische auch nicht weiter erwähnen möchte, ebenso wenig wie die Drückerfische, so hatten wir doch einen netten Rundgang, den ich beim Blumenstand ausklingen lassen wollte, bevor wir uns auf den Weg, vorbei an den mittlerweile liebgewonnen Hunderudeln, in Richtung Wohnung aufmachten.

Allerdings gab es da einen ganz neuen Stand mit Schüsselchen und ich musste natürlich meine Nase reinhängen. Da lagen sie nun. Die Delikatessen. Würmer, Raupen und Schaben. Sehr große sogar, extrem scheussliche. Vielleicht waren es auch Zikaden, so gut kenne ich mich in der Entomologie nicht aus, mich widern die Kerlchen eher ein wenig an. Insbesondere als Nahrungsmittel.

Also guckte ich entsetzt, Ellen und Roland sahen auch nicht aus, als würden sie jetzt herzhaft zugreifen wollen, aber wenigstens rannten sie nicht schreiend davon. Was ich als Erfolg werte!!!!

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Ich holte mir von der amüsierten Verkäuferin die Erlaubnis die gerösteten Proteinspender zu fotografieren und sicher zitterten meine Hände nicht wenig, vor lauter Angst, ich könnte mit meinen Händen zu nahe an die Ware kommen. Das wollte ich nun auf jeden Fall vermeiden.

Zwei nette Thailänderinnen, die gerade hier eingekauft hatten, sahen sicher meine angespannte Mimik und das Weiße in meinen Augen! Sie lachten und ermunterten uns zum Kauf. Sehr gesund sei das und gar nicht gefährlich. Gar wohlschmeckend und knusprig die frische Ware! Nun ja, keiner von uns war nun so erpicht darauf. Auch die angebotene kostenlose Proberunde ließen wir großzügig ausfallen. Ehrlich gesagt, hätte ich namhafte Summen bezahlt, nur um darauf verzichten zu dürfen!

Aber die Damen waren so einfach nicht von ihrem Vorhaben abzubringen und wollten unbedingt wissen, warum wir nicht wenigstens einmal kosten wollten?

Ich griff listig tief in die Trickkiste! Ich fragte, ob die Damen denn gerne Käse äßen? Ha! Ganz angewidert verzogen die das Gesicht, die Näschen legten sich in ganz krause Falten und die Hände flogen schützend vors Gesicht! Igitt! Käse! Nein, wie gräßlich! 

So trennten wir uns, jeder den Anderen für einen entsetzlichen Banausen haltend, der die wunderbaren Köstlichkeiten des eigenen Landes so albern verschmäht! Und froh, beim anderen nicht kosten zu müssen 🙂

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