Mit dem Fahrrad durch Bangkok

Heute morgen ging unser kleines Abenteuer los. Wir fuhren quer durch die Stadt mit dem Taxi und kamen im Büro von Bangkok Biking an. Es gab ein wenig Papierkrieg und danach wurden uns durch unsere Führerin Puay die Fahrräder zugeteilt.

Ich hatte ja gehofft, dass die Räder auch eher für Thais zugeschnitten sind und einen kleineren Rahmen haben, dem war aber leider nicht so. Wenn man nicht viel Rad fährt und muss dann immer vom Sattel hüpfen, um einen Fuß auf den Boden zu bekommen, dann macht mich das tatsächlich unsicher. Also die ersten Meter waren wirklich schrecklich.

Wir fuhren brav hintereinander durch den brodelnden Verkehr. Aber die Thailänder sind bei allem Chaos und bei aller Gleichgültigkeit bestehenden Verkehrsgesetzen gegenüber, wunderbar rücksichtsvolle Fahrer! Puay konnte uns quer über eine 4 spurige Straße bringen, indem sie die Hand in die Höhe hielt und damit den Verkehr stoppte. Während wir an den haltenden Fahrzeugen quer über die Fahrbahn fuhren, verbeugte sich Puay und wir alle brüllten fröhlich „Kap Khun kha! Vielen Dank!“ Und winkten! Winken und lächeln und sich bedanken und irgendwie klappt es dann hier immer. Dann braucht man nicht einmal Vorfahrt!

Die Tour begann mit einem Streifzug durch einen Slum. Mit dem Begriff tat ich mich sehr schwer, denn eigentlich war es ein typisch thailändisches Wohngebiet mit dunklen Holzhäusern, viel Müll auf dem Weg, den Kochgelegenheiten hinter dem Haus, alte Menschen und müde Hunde halten ein Nickerchen vor dem Haus, kleine Kinder spielen auf der Straße, die Wäsche hängt im Fenster oder auf dem Zaun, daneben trocknen Früchte oder Fische, jemand brutzelt Fleisch und das heiße Chili nimmt einem den Atem. Das ist Thailand, das ist kein Slum.

Natürlich wurden wir in einen Kindergarten eingeladen, man möchte den Gästen auch ein emotionales Erlebnis ermöglichen und die kleinen Putzelchen durften sich dann brav in Reih und Glied aufstellen und präsentieren. Hier haben schon die Kindergartenkinder einheitliche Kleidung, eigentlich ganz gut, so bleiben die offensichtlichen Unterschiede der Herkunftsfamilien erst einmal verborgen.

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Wir kamen zum Chao Phrao, dem großen Fluss, der durch Bangkok fliesst. Hier wartete ein Langboot auf uns, bereit uns und die 6 Räder aufzunehmen. So richtig konnten wir uns ja nicht vorstellen, dass das funktionieren sollte, aber wie immer geht es dann ja doch. Puay und der Bootsmann luden ein Rad nach dem anderen ein und wir setzten uns auf die kleinen Bänkchen. Der Bootsmann ging als letzter an Bord und ging an der 5 cm breiten Außenkante seines Schiffchens entlang, um hinten an den Motor mit Lenkstange zu kommen. Bewundernswert!

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Auf der einen Seite des Flusses zeigt Bangkok sein urbanes Gesicht:

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Auf der anderen Seite Bangkoks liegt ein sehr ursprüngliches Gebiet aus dunkelgrünem Dickicht, dass ganz nah ans Wasser wächst. Man kann Reiher beobachten und es wirkt, als würde man in den tiefsten Dschungel eindringen. 

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Hier fand ich das Radfahren sehr anstrengend. Teilweise sind die Wege extrem schmal, sie bestehen nur noch aus Betonplatten, sie auf Säulen ins Wasser gestellt wurden. Manche davon liegen 1 – 2 Meter über dem Wasser und sind vielleicht 1 m breit. Wenn man läuft wirkt das sehr breit, aber auf dem Fahrrad ist der Weg bleistiftdünn, zumal weite Strecken keinerlei Geländer haben. Wenn man da einmal nicht aufpasst, liegt man im Wasser und wer weiß, was direkt unter dem Wasser ist? Altmetall, Steine, versenkte Boote? Auf jeden Fall war es nicht der einfachste Weg. Zumal wir ständig im rechten Winkel abbiegen mussten. Ich war recht feige und bin meistens abgestiegen, habe das Rad um 90 Grad gedreht und bin wieder aufgestiegen.

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Es ist interessant, wie viele Menschen in dieser abgelegenen Ecke leben und Ihr Auskommen finden. Lilo sah ein Homestay, das ist eine Übernachtungsmöglichkeit in einer Familie und meinte, sie würde dort gerne einmal übernachten. Aber wenn man das bucht, dann kostet das 8.500 Baht, weil der Führer ja 2 Tage zur Verfügung stehen müsste. Man könnte auch ein Rad leihen und einfach so dorthin fahren, das würde einen Bruchteil kosten. Allerdings geht das ohne ein Navigationsgerät wohl kaum.

Wir kamen zu einem Fischteich, wo wir mal wieder Fischfutter bekamen. Allerdings waren die großen Fische, die man hier üblicherweise füttert schon weggefischt und es waren nur ein paar Schützenfische da. Puay nahm unsere Essensbestellung auf und wir fuhren ein Weilchen weiter, bis wir zu dem Restaurant kamen. Das war recht nett, mitten in einem winzigen Dörfchen.

Wir besuchten noch einen Tempel und Puay erklärte ausführlich den Ablauf eines Tempelbesuches und zeigte uns die verschiedenen Gebäude. Danach ging es zurück zum Fluss, wo unser Bootsmann schon wartete.

Das war ein wirklich schöner Ausflug! Mir hat sehr gefallen, wie groß der Unterschied der beiden Seiten des Chao Phrao ist und wie schnell man von Bangkok in sehr ländliche Umgebung gelangen kann. Wenn man ein paar Tage in der Stadt ist, dann vergisst man fast, dass die bäuerliche Seite von Thailand eigentlich überwiegt.

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2 Antworten zu Mit dem Fahrrad durch Bangkok

  1. interessante Geschichte.
    Habe sie mit Freuden gelesen
    Danke

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  2. eckisupdate schreibt:

    Hallo Sandra,

    …das sind ja ganz ungewöhnliche Bangkok-Ansichten.
    Ganz toll, dass es dort noch solche Flecken gibt.

    Bitte das nächste Mal eine Gopro-Äktschn-Cam am Lenker festschrauben,
    dann hätten wir alle diese Angst-feelings. ;-))
    Das Boot und sicher auch die Fahrt war bestimmt
    nichts für schwache Nerven.

    VLG
    Ecki

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