Mopedärger

Heute wollte ich mich Sebastian und Tukta eine Mopedtour machen. Gemeinsam mit einer Motorradgruppe, die hier ansässig ist, wollten wir in das Militärgelände im Süden fahren, dort soll es einen tollen Strand geben.

Die Motorradgruppe ließ ich mir genauer schildern, denn hier gammeln die Altrocker der 60er Generation herum. Also diejenigen, die gerade nicht im Knast sitzen oder eben noch gesucht werden. Gremium und ähnliches Pack, da wollte ich schon sicher sein, dass ich nicht mit Typen konfrontiert werde, deren Tätowierungen mit Nägeln, Glasscherben und der Farbe aus Kugelschreibern entstand. Man muss nicht alles erlebt haben, um zu wissen, dass es nichts taugt.

Aber es scheint eine eher harmlose Altherrenbande, die hier mit ihren kleinen Rollern die Gegend unsicher machen.

Damit ich nicht schon hungrig ankomme, hielt ich im Bon Café an und nahm ein europäisches Frühstück. Ich hätte mich gleich treten können, weil es das falsche war, ich wollte eigentlich das deutsche, mit Brot und Wurst haben. So bekam ich ein fettiges Croissant mit Butter und Marmelade. Nun ja. Wenigstens stand an der Kasse ein junger Mann am Fenster und guckte die GPX an. „Super Moped!“, meinte er, „echt schön!“. Finde ich auch :-

Aber heute war der Wurm drin! Die Gangschaltung war nicht in Ordnung, das geht schon länger so. Marc und ich haben auch die Werkstatt von Mityon, dem Laden, in dem wir die Mopeds gekauft haben, gesucht, aber in dem Chaos einfach nicht gefunden. Außerdem ist das am anderen Ende der Stadt, sehr nervig. So machte ich mich mit der schwergängigen Gangschaltung auf den Weg.

Sebastian wartete schon. Er erläuterte mir den extrem komplizierten Weg, den man nun fahren muss, wenn man auf die andere Seite der Sukhumvit möchte. Denn auf der Sukhumvit wird nun 2 Jahre lang eine Stadtunterführung gebaut. Alle staunen! Eine Unterführung!!! Wo Pattaya nach jedem Regen völlig unter Wasser steht, baut man eine Unterführung! Wozu! Ist das ein Beitrag zur Bevölkerungskontrolle? Man muss es ja nicht verstehen, Stuttgart 21 versteht ja auch keiner.

Nun fuhr ich hinter Sebastian zur größten und scheusslichsten Kreuzung in ganz Pattaya, Thailand, vielleicht sogar der Welt. Ich hasse diese Kreuzung und fahre sie NIE! Okay, dachte ich, heute geht das mal. Aber ausgerechnet hier bekam ich die schlimmsten Probleme beim Schalten. Das Ziehen der Kupplung half gar nicht, da Moped blieb im Gang und ich konnte es nur durch festes Ziehen an der Bremse halten. Lange Rede, kurzer Sinn: ich verlor Sebastian, konnte nicht früh genug abbiegen und endete auf der Sukhumvit auf der Fahrbahn in die falsche Richtung.

Ich fuhr an den Straßenrand, machte den Motor aus, atmete tief ein und aus, fluchte, rollte mit den Augen, und gab auf. Man muss wissen, wann man geschlagen ist. Also machte ich den Motor wieder an, zog feste am Kupplungszug, drückte den Hebel mit nach unten und siehe da, es ging. Ich fuhr entgegen der Fahrtrichtung zur nächsten Abbiegemöglichkeit, also absolut konform mit thailändischen Gepflogenheiten, bog in die nächste Gasse ab und rief Sebastian an. Den Ausflug sagte ich ab. Machte keinen Sinn.

Zur Belohnung und als Trost gab es Chicken Massaman. Ich setzte mich und die Bedienung, jemand den ich gar nicht kannte. wusste schon Bescheid. Ich bekam nicht einmal die Karte zu sehen, ich bin bestimmt die langweiligste Kundin überhaupt, immer das Gleiche 🙂

Auf dem Weg zum Restaurant hatte ich mal wieder diese Werkstatt gesucht und wieder nicht gefunden. Aber eine Werkstatt musste her! Da fiel mir eine in meiner Nähe ein, davor stehen immer große Harleys und ganz aufwendige Umbauten. Dort konnte ich aber sicher sein, nicht in eine lustige Bastlerstube zu kommen. Gesagt getan, ich stellte mein kleines Gefährt zwischen diese Riesenmaschinen. Dazwischen sieht die GPX wirklich aus wie ein Dackel unter Doggen. Immens drollig!

Der Mechaniker guckte auch schon ganz interessiert. Thailändische Motorradfreaks sehen sehr cool aus. Lange Haare, Bart, betont lässig. Genauso solche Mechaniker sind dort. 

Burapa

Der gute Mann konnte natürlich so viel englisch wie ich thai. Ich zeigte auf die Kupplung und er probierte zu schalten. Mehr war nicht notwendig, er holte gleich das Werkzeug und korrigierte den Zug. Eine Aktion von 5 Minuten und kostete mich 20 Baht, also 60 Cent. Morgen, so haben wir ausgemacht, wird er einen Ölwechsel vornehmen. Eigentlich sollte das ganze Moped einmal durchgecheckt werden, aber wie soll ich das erklären? Ölwechsel. Reicht erst mal! Der coole Mechaniker kennt sich aus!

Beruhigt fuhr ich heim und machte mich an den kleinen Wäscheberg und war als brave Ehefrau auch sogleich beim Hemdenbügeln! Mein armer Ehegatte musste ja gleich nach der Heimkehr mit mir einen Drucker kaufen! Es war wieder eine elende Fahrerei in diesem Dauerstau. Nun hilft es auch nicht mehr, dass die Urlaubersaison bald vorbei ist und die schrecklichen Reisebusse verschwinden werden. Die lustige Baustelle wird uns weiterhin mit Chaos versorgen. Und ich hatte mich so gefreut, dass mir die Baustelle in Stuttgart erspart bleibt 🙂

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