Angekommen

Ich bin in Frankfurt gelandet. Was für ein Flug!

Der Flieger war nicht ganz ausgebucht und so saß ein Mann am Fenster, daneben war frei, ich am Gang. Der Mensch war entweder irre oder drogensüchtig. Ich glaube eher letzteres. Keine Ahnung. Er suchte unbedingt ein Gespräch und ich blockte das so uncharmant und bestimmt wie möglich ab. Mir reichten schon die volltätowierten Arme, die Kleidung und der Blick.

Während des gesamten Fluges nervte er. Er wollte Essen der Business Class, weil er üblicherweise immer Business fliege. Genau! So sieht er auch aus! So spricht er auch. Ich habe eine Lektion im taktvollen Auflaufenlassen von dem Stewart mitgenommen, der war aber auch echt gut 🙂

Dann musste er zu seinem Koffer im Handgepäckfach. Da kramte er mitten im Gang endlos darin herum und ging dann zur Toilette und kam nie mehr. Das wiederholte er übrigens 4 mal. Einmal war ich eingeschlafen und wurde von einem dumpfen Aufprallgeräusch wach. So, wie alle anderen Fluggäste drumherum auch. Er war über mich hinweg gesprungen, um mich nicht zu wecken.

Er stöhnte die ganze Zeit, guckte auf einen Zettel, vergrub das Gesicht in seinen Händen und murmelte verzweifeltes Zeug. Beugte sich weit über den freien Sitz in meine Richtung, brabbelte, guckte verzweifelt, ob ich ihn bemerkte. Tat ich aber nicht, mein Buch war einfach zu spannend!! Hätte ich dem nur den Hauch einer Chance gegeben, der hätte mich den gesamten Flug über mit seinen Geschichten gefoltert.

Eigentlich reicht einem ja so eine Type. Aber hinter mir saß nur ein einziger Herr in der Reihe. Den habe ich beneidet und hätte gerne getauscht, die Beiden hätten sich gut ergänzt.

Der Mensch hinter mir war schon lange in Rente und die ist mit Sicherheit nicht hoch. Mit der Kleidung, die er trug, ging der noch zur Arbeit. Damals.

Dieser Herr führte Selbstgespräche, weigerte sich den Gurt anzuschnallen und konnte kaum Englisch. Dafür ist er wohl schwerhörig und nicht allzu helle. Nun wollte er von den Stewardessen seinen Koffer haben. Die armen Mädels suchten also mit der Taschenlampe herum, bis er lautstark seinen Koffer identifizierte und wollte den haben. Und behalten. Auf seinem Schoß, so dass bei jeder Bewegung der Koffer gegen gleich 2 Sitze rumste.

Wie soll man da schlafen? Was sind das für Leute? Wo kommen die her, gibt es da ein Nest?

Ich habe den Herrn dann gebeten, erstens seinen Koffer auf den Sitz nebenan zu stellen, nicht mehr zu reden und sich anzuschnallen. Ich hatte es satt, dass alle paar Minuten jemand kam, um ihn darum zu bitten. Danach konnte ich schlafen, bis der Gentlemen neben mir mit seinem James Bond mässigen Einsatz meinen Schlaf nicht stören wollte.

Aber nach einem Jahr in Thailand, insbesondere in Pattaya, sieht man ja die Welt auch wieder ganz anders, vor allem entspannter.

Die entspannte Haltung wurde mir im Flughafen schlagartig bewusst und ich verstand plötzlich manches. Zum Beispiel, warum ich am Anfang ständig Probleme mit Hunden hatte und nun nicht mehr.

Hier rennen ja alle. In Thailand geht mir dieses superlangsame Geschlurfe auf den Wecker. Gut, man muss immer auf den Boden gucken, wenn man nicht stolpern will, und heiß ist es auch und alle Wege sind ein Hindernislauf, da geht es nicht so schnell. Aber manchmal gehe ich schlicht auf die Fahrbahn, weil es mir zu langsam ist. Hier rennen ja alle. Ich habe mich gefreut, endlich mit langen Schritten schnell und zielstrebig laufen zu können und wurde quasi umgerannt.

Ich bin zu langsam! Unglaublich! Kein Wunder schrillen bei den Dorfhunden alle Alarmglocken! Für die bin ich auf der Flucht. Wenn ich in 5 Wochen wieder zurückgehe, muss ich unbedingt darauf achten, dass ich wieder schlurfe!

Auf jeden Fall habe ich mich erst einmal an eine Wand gestellt und bewundert, wie schnell hier alles ist! Das ist schon eine Nummer.

Und überall Technik. Selbst für die Warteschlange an den Schaltern gibt es elektronische Anzeigetafeln mit der Nummer des nächsten freien Schalters. Eigentlich hatte es in Bangkok ja schon mehr Charme, wenn so ein Thai „sähwääään“ ruft und keiner weiß, was das heißen soll 🙂

Nun sitze ich im Café, gucke zum Fenster raus, es regnet. Neben mir ist ein älteres Ehepaar und macht aus Spaß Selfies. Wir lachen gerade gemeinsam und ich freu mich auf Stuttgart. Noch 2 Stunden, dann geht der nächste Flieger.

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Eine Antwort zu Angekommen

  1. eckisupdate schreibt:

    Hallo Sandra,

    Herzlich Willkommen in Old Germany.
    Nur keine Hektik,
    „Go Slowly“ Slow food und Slow City sind stark im Trend.

    In Deutschland gibt es ca. 10 Slow-Cities,
    die das Schneckenlogo führen dürfen.

    VLG
    Ecki

    Liken

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