Myanmar – Golden Rock

Die Fahrt vom Inle See in den Süden war recht lang und unbequem, zu allem Überfluss war es ein Nachtbus und ich konnte nicht schlafen. Selbst der nächtliche Halt am Straßenrand mit einer Flut von Essensständen war keine Erleichterung, es war staubig und dunkel, schmutzig und unwirklich, es erinnerte an Endzeitfilme.

Wir kamen in morgens um 06.00 Uhr in Bago an. Man hatte uns am Straßenrand rausgelassen, dort stand ein staubiger Tisch, ein paar Herren auf Stühlen daneben, dies fungierte als Reisebüro.

Wir wollten direkt weiter nach Kyaikto, wo unser eigentliches Ziel lag. Das erforderte eine weitere Busfahrt von 3 Stunden und man schickte uns nach Gegenüber in ein kleines Restaurant zum Frühstücken, da der nächste Bus erst um 09.00 Uhr fahren würde.

Das Frühstück bestand aus einem in Öl gebackenen Teigstückchen und einer Tasse verzuckerten Nescafe. Wenn man nicht geschlafen hat, dann hat diese Situation überhaupt keinen Charme mehr, glaubt mir!

Eine Asiatin fragte, ob wir auch nach Kyaikto wollten, denn sie sei Alleinreisende und würde sich uns gerne für die Fahrt anschließen. Sie kam tatsächlich aus Kasachstan! Die erste Reisende aus Kasachstan meines Lebens und ich war begeistert. Natürlich erhoffte ich mir tolle Informationen über Reisen dort, aber leider scheint sie mit ihren Englischkenntnissen nicht die Regel darzustellen. Nun ja, das kommt ja auch irgendwann später mal!

Während unser kleiner Trupp von 5 Leuten so müde am Tisch saß, kam ein Vertreter des Reisebüros von gegenüber und meinte, wenn wir fertig seien, könnten wir kommen, es gäbe einen Bus. Waren wir alle froh!

Unsere Ankunft in Kyaikto verlief auch ein wenig überraschend, weil wir aufgrund eines irrsinnigen Staus und Menschenmengen auf der Straße mit dem Bus nicht in die Stadt fahren konnten. Wir mussten aussteigen und wurden von Mopedtaxifahrern umringt.

Wir hatten am Vortag ein Hotel über eine Telefonapp reserviert und zeigten dies den Fahrern und schon konnten wir mitsamt dem Gepäck auf die Mopeds springen. Was für eine Fahrt, es ging mitten durch das Gedränge!

Leicht genervt stellten wir fest, dass wir gar nicht zu unserem Hotel gebracht worden waren, sondern ein Hotelier hatte offensichtlich dafür bezahlt, dass erst einmal alle Ankömmlinge zu seinem Haus gebracht wurden. Aber ich hatte ja die Koordinaten für das Hotel und so gingen wir beherzt los.

Nun wurde auch langsam klar, was hier wirklich passiert! Kyaikto ist ein Pilgerort. Nicht so ein kleiner, unbedeutender, wo die Leute in kleinen Grüppchen auftauchen und mal gucken. Oh nein!

Die Menschen werden auf LKWs den Berg hochgefahren! Auf der Ladefläche wurden Bänke angeschraubt und schon hat man ein fantastisch praktisches Fahrzeug, dass diese Menschenmengen auch diesen steilen, steilen Berg hochtransportieren kann.

Auf dem Weg zum Hotel durften wir dem Spektakel zusehen! Es gibt sogar Rampen mit Treppen, die man eigentlich auch nutzen könnte, aber wenn ein LKW auch nur ein wenig langsamer wird, dann springen die Leute schon auf!
IMG_3887
IMG_3891
IMG_3867

Wir stapften also tapfer durch den Wahnsinn, fanden aber unser Hotel nicht. Wir waren so müde und erschöpft, wir gingen dann einfach ins das nächste Hotel, froh, dass wir nun überhaupt eine Bleibe hatten.

Wir warfen schnell die Taschen aufs Bett und gingen gleich los. Wir wollten ja auch so eine spannende LKW-Fahrt machen!

Wir warteten an dem „LKW-Bahnhof“ nun darauf, dass ein leeres Gefährt vom Berg kommen wird. Um uns herum herrschte natürlich lustiges Markttreiben.
IMG_3893IMG_3883

Und dann kam der erste LKW. Wie die Leute da hingerannt sind! Das Chaos! Der Lärm! Jedes Fahrzeug hupt hier ohnehin ständig, nun aber noch das Geschrei der Menge dazu! Unfassbar!
Da wird gezerrt und gezogen, Anverwandte werden schlicht an den Armen auf die Ladefläche gehievt, Oma muss ja auch noch mit. Und wer oben ist, der hat es geschafft und kann sich als Sieger des Tages fühlen 🙂
IMG_3896IMG_3899IMG_3904

Die Fahrt den Berg hinauf ist weiterhin spannend. Schafft der Wagen das oder rutschen wir gleich? Packen die Bremsen das? Wird der alte Karren wieder anfahren können? Passte alles!

Und so schob sich der gesamte Tross unaufhaltsam in Richtung Heiligtum.
IMG_3909

Oben angekommen beginnt der Treck zum Goldenen Felsen. Wenn Ihr Euch das jetzt andächtig, still, betend, von innerer Ruhe und dem Streben nach Ausgeglichenheit vorstellt, dann vergesst das. Hier ist alles laut und voll!
IMG_3917
IMG_3934

Man kann tatsächlich kaum laufen. Hier sind noch jede Menge Treppen eingebaut und nachdem man zwischen den beiden Löwen hindurch ist, muss man die Schuhe und Strümpfe ausziehen. Das hat mich diesmal Überwindung gekostet. Der Boden ist natürlich auch vermüllt und ich bin fast auf Mandarinenschalen ausgerutscht.

Wenn man nun gar nicht mehr laufen möchte oder auch nicht mehr kann, dann gibt es hierfür sehr elegante Sänften!
IMG_3924IMG_3931

Und da viele Pilger offensichtlich hier oben übernachten und entsprechendes Gepäck mitbringen, gibt es auch innovative Transportsysteme.
IMG_3926

Nun fragt Ihr Euch sicher, warum wir überhaupt hier sind. Wegen dem Goldenen Felsen natürlich! Dieser liegt ganz prekär an einem Steilhang. Nun, wie kann er sich denn da halten, müsste der riesige Felsen nicht abstürzen?
Das würde er sicher auch tun, aber ein Haar Buddhas, welches im Tempel nebenan verwahrt wird, verhindert dies! Ein Wunder!
IMG_3953IMG_3962

Natürlich möchte man da als Gläubiger diesem Wunder ganz nahe sein und als Asiat möchte man dies auch in Gesellschaft tun. So entwickeln sich auf allen Freiflächen kleine Deckenstädte, unter denen die Menschen Schutz vor der gnadenlosen Sonne suchen.IMG_3967IMG_3980IMG_3981

Und es ist wirklich interessant zu sehen, wie viele Menschen in ihren Trachten kommen. Jede Kopfbedeckung verrät einen anderen Volksstamm.
IMG_3985

So viele Menschen benötigen natürlich auch etwas zu essen und zu trinken. Auch dafür ist hier gesorgt.
IMG_3983IMG_3986

Es war wirklich ein wundersamer Tag. Auf dem Weg mit dem LKW hatten wir dann auch unser gebuchtes Hotel gesehen und als wir zurückkamen, checkten wir in dem sehr einfachen Hotelchen wieder aus und gingen 300 m weiter um die Kurve. Dort waren nämlich die Gebäude weiter nach hinten gebaut. Bei dem Dauerhupen der Pilgerfahrzeuge kein zu verachtender Vorteil.

Sehr goldig war es nach dem Abendessen, als ein junger schottischer Voluntär den Angestellten dort einen Kurs in Gastronomie gab. Er machte das wirklich sehr geschickt, der Nachholbedarf ist ja schon noch gegeben. Aber es dauert sicher nicht mehr lange und die Touristen werden Thailand den Rücken kehren. Ist viel spannender hier!

Und dann mussten wir ja auch schon schlafen (endlich), denn am nächsten Morgen ging es weiter!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s