Das Schlangenrestaurant

Ich mag es ja, wenn ich ein außergewöhnliches Erlebnis finde, etwas, dass ich noch nie getan habe. Marc und ich waren vor 10 Jahren im Süden Vietnams und haben dort schon Schlange gegessen, aber dieses Restaurant schien doch mehr zu bieten, als nur Schlangengerichte zu servieren. Man trifft hier vorher noch auf sein Abendessen.

Nachdem ich unsere Freunde entsprechend instruiert hatte, saßen wir im Taxi und fuhren in einen Vorort Hanois. Durch winzige Gassen presste sich der Wagen, passender Weise ein Hyundai Morning, der bei uns als Kia Piccanto verkauft wird :-).

Das unscheinbare Schild vor einem Wohnhaus verblüffte mich sehr, ich hatte mit einem richtigen Restaurant gerechnet. Unser Taxi fuhr in die untere Etage des Hauses, die als Garage für Mopeds diente.

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Kennt Ihr das Gefühl, wenn Ihr etwas „Tolles“ aufgetan habt und plötzlich habt Ihr das Gefühl, es wäre besser gewesen daheim zu bleiben? So ging es mir, als diese beiden Herren auf uns zu kamen! Es gab eine herzliche Begrüßung, aber ich fragte mich immer noch, wo das Restaurant sein solle!

Es handelt sich zwar um ein Familienunternehmen mit langer Tradition und das Dorf Le Mat ist bekannt für seine Schlangenfänger, aber ich hatte mir kein Privathaus im Nirgendwo vorgestellt. Die Schlangenfänger werden übrigens in die Dörfer gerufen, um dort lebende Schlangen aus Häusern und Ställen zu holen.

Während unsere Gastgeber damit beschäftigt waren den richtigen Schlüssel zu finden, hatte ich Gelegenheit den Inhalt der alten Vitrine zu betrachten.

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Wunderbar! Schlangen und Geckos mit Kräutern in Alkohol eingelegt. Bestimmt lecker…..
Auf jeden Fall gesund. Mit Sicherheit!

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Ihr könnt Euch unser Erstaunen gar nicht vorstellen, als die Schlüssel gefunden waren und man den unteren Teil des Vitrinenschrankes, ein wundersames Möbelstück, das sicher ein paar Jahrzehnte überstanden hat, öffnete, um eine fette Schlange am Schwanze herauszuziehen.

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Das Tier wurde uns als irgendeine Kobra vorgestellt, man ist ja erst einmal erstaunt, nicht wahr, da merkt man sich keine Namen. Wir haben alle einen Schritt zurück getan. Nicht, weil wir etwa Angst gehabt hätten, natürlich nicht. Es war nur eng. Irgendwie.

Es folgte ein wirrer Ablauf, wir wurden durch die Küche hindurch geführt. Sehr sauber, echt interessant! Ein Riesendampfabzug, guckt mal! Und wie in Asien üblich, stehen die Gasflaschen unterhalb der Kochstellen. Geht offensichtlich auch.

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Wir kamen zu einem zweiten Schrank. Mindestens so alt wie der erste, aber ohne Schlösser, der stand ja aber auch schon innerhalb des Hauses und nicht frei zugänglich an der Straße! Wer will da auch noch mit Schlössern rummachen, nicht wahr!

Der absolut nicht kindersichere Riegel wurde flugs geöffnet und ein Stück Sackleinen zur Seite geschoben. Herr Hung leuchtete mit seinem Handy hinein, griff mutig zu und zerrte einen Klumpen Schlangen hervor.

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Herr Hung nahm sich Zeit und erläuterte die Unterschiede der Schlangenarten. Er hat Königskobras, Bergkobras und noch mehr Reptilien. Welche wollen wir wählen? „Hühnchen wäre jetzt echt nicht schlecht“, dachte ich. Und fragte ganz schwäbisch nach dem Preis.

Man nennt uns Kilopreise. Und weist auf die wundersame Wirkung der Königskobra auf das allgemeine Befinden hin. Oder wenigstens der Bergkobra. Also das andere Gewirre im Schlangenknäul scheint schlagartig nichts mehr für körperliche Gebrechen tun zu können. In einer Art Notwehr entschieden wir uns für eine Bergkobra. Die ist kleiner. Einen Grund muss man ja haben. Wir waren erst einmal sehr erleichtert, die Entscheidung war getroffen!

Nun folgte etwas, was uns unsere Mütter immer verboten haben: mit dem Essen spielen. Aber der Gast will ja auch etwas erleben, weshalb die Tiere immer wieder auf den Boden gelassen werden, wo man sie dann wieder einfängt. Und wir standen daneben.

Dass das Spiel nicht immer gut geht, haben wir an den Händen von Herrn Hung und seinem Vater gesehen, einzelne Finger sind von Bissen so geschädigt, dass sie steif geblieben sind.

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Am Ende der Vorstellung holte Herr Hung eine Schere und schnitt das Reptil auf. Er zupfte in den Innereien ganz kurz herum und zog das noch pochende Herz hervor, bevor er es herausschnitt und in ein Glas tat.

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Das Blut wurde in einem Glas mit Schnaps aufgefangen. In das zweite Glas kam später der Gallensaft.

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Nun begleiteten wir die Herren wieder in die Küche. Die Schlange wurde am Fenstergitter befestigt und der Länge nach aufgeschnitten.

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Dann wurden die Innereien entfernt und in eine Schüssel gegeben. Nun war alles fertig für die Küche und wir wurden in den Gastraum geführt.

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3 Antworten zu Das Schlangenrestaurant

  1. Ecki schreibt:

    na dann: Mahlzeit!

    VLG – Ecki
    liest du deine email nicht???

    Gefällt 1 Person

  2. steinfisch schreibt:

    😀 Da wird man „alt wie eine Kuh“, aber solche Fotos habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen! Ich wäre geflohen, da ich Schlangen überhaupt nicht mag! Ich hoffe, ihr hattet noch einen angenehmen Abend mit dem Genuss der „Schlangen-Delikatesse“.

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    • thaitonien schreibt:

      Lach. Ja, so etwas hatten wir auch noch nicht gesehen und ehrlich gesagt, in dieser Form auch nicht wirklich erwartet.
      Aber es war wirklich sehr lecker. Und auf dem Teller hat sich die Schlange weder bewegt noch gewehrt 🙂

      Gefällt 1 Person

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