Die Schwefelhölle des Kawah Ijen

Das Internet bietet Einsichten, die früher nur schwer zu bekommen waren. So entdeckte ich wieder einmal einen sensationellen Ort durch das Hobby. In Indonesien gibt es einen Vulkan mit dem am höchstgelegenen Kratersee, der auch als „das größte Säurefass der Welt“ bezeichnet wird.

So war schnell klar, wohin die diesjährige Flucht vor dem thailändischen Neujahrsfest Songkran führen sollte!

Es begann nicht so toll. Der Landeanflug auf Surabaya war wackelig, es gab Turbulenzen, der Flieger hüpfte etwas, aber gut. Nur beschleunigte das Flugzeug ganz kurz vor dem Aufsetzen und startete erneut durch. Ehrlich, da wird einem mulmig.

Oben flogen wir einen Kreis, der Himmel war klar, die Sterne prangten, dann der erneute Landeanflug. Unten war dichter Nebel und es regnete, der Flieger war fast unten – und startete erneut durch. Die Frau neben mir begann zu beten, Marc schimpfte und ich wäre gerne in Thailand gewesen. Sehr gerne.

Endlich erzählte der Pilot, dass die Sicht so schlecht sei, dass man an eine Landung nicht denken könnte. So drehten wir und einige andere Fliegerlein so unsere Schleifen am nächtlichen Himmel und jeder der Passiere wünschte sich sehr weit weg. Mit was Festem unter den Füßen!

Als beim dritten Anlauf die Landung endlich erfolgte, gab es tosenden Applaus 🙂
Der Pilot hat ihn sich redlich verdient! Puh!

Aber eigentlich wollte ich vom Kawah Ijen erzählen, gelle! Nach einer Übernachtung und einem Inlandsflug kamen wir nach Banyuwangi.

Es war wirklich nicht herauszufinden gewesen, wie genau man nun zu diesem Vulkan kommen könnte. Wir steuerten dann einfach ein Hotel an und fragten dort nach.

Es war extrem einfach. Wir nahmen ein Zimmer, um 00.30 Uhr wurden wir von einem Auto abgeholt, welches uns eine Stunde lang zu dem Vulkan fuhr. Die katastrophale Straße, die ich noch von Berichten vom letzten Jahr gesehen hatte, ist mittlerweile ausgebaut. Zwar nur einspurig, aber eben keine Trümmerhalde mehr!

Wir kamen zu einem Platz mit ein paar kleinen Läden und Restaurants. Dort parkten schon recht viele Autos, da an Wochenenden viele Javanesen eine Wanderung zum Kawah Ijen machen. Es waren auch ein paar westliche Touristen dabei, aber sehr wenige.

Wir hatten von unserem Fahrer Gasmasken bekommen und wir hatten unsere Taschenlampe dabei. So machten wir uns auf den Weg. Der erste Kilometer war sehr harmlos, danach wurde es immer steiler und der Weg immer unwegbarer.

Endlich kamen wir am Kraterrand an. Hier wird direkt der Zugang in den Krater verboten. 🙂

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Denn wenn man diesen Kraterrand einmal erreicht hat, geht es einen steilen, steinigen Weg hinunter zu den Schwefelfeldern. Es war stockfinster und die Kletterei nach unten wollte so gar kein Ende nehmen. Immer wieder trafen wir Arbeiter, die mit Karren unterwegs waren und sich als Taxi anboten.

Unten waren dicke Wolken aus nicht definierbarem chemischen Gebräu, die einem den Atem nahmen. Es stank furchtbar und die Augen tränten. Ich musste von der Anstrengung schnaufen und wollte doch nicht so richtig einatmen angesichts der gelblichen Wolken. Und wenn man tüchtig atmen muß, dann ist eine Gasmaske unerträglich, weil nicht genug Luft hindurch kommt.

Die Arbeiter dagegen hatten überhaupt keine Schutzausrüstung. Sie trugen Gummistiefel oder alte Latschen, hatten nur Pullover an und eine Stirnlampe. Über die Besucher mit ihren Gasmasken können sie wahrscheinlich nur lachen bzw. sie beneiden. Wer hätte gedacht, dass heutzutage noch unter solchen Umständen Schwefel abgebaut wird?

Der Schwefel lagert sich am Ufer des Kratersees ab und wird mit Metallstangen von den Arbeitern herausgebrochen. Sie tragen die Stücke dann in Körben, die 50 – 70 kg wiegen, aus dem Krater zu der Verladestation, die 3 km entfernt liegt. Für 70 kg Schwefel erhält ein Arbeiter 3 Euro und er kann bis zu 140 kg pro Nacht fördern.

Die Männer sind hier jeden Tag, rund um die Uhr wird abgebaut. Natürlich sind die Gase, denen diese Menschen ausgesetzt sind, extrem gesundheitsschädlich.

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Der Vulkan ist immer noch so heiß, dass sich der Schwefel entzündet und es sieht aus als würde blaue Lava den Berg hinterzufliessen. Es ist ein spektakulärer Anblick!

Leider hatte ich dann einen kleinen Unfall! Ich trat auf ein Tuffstück, das unter mir nachgab und ich plumpste gar nicht damenhaft den Hang hinunter und wurde unsanft von einem Felsen gestoppt. Puh! Da war ich mal richtig erschrocken!

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Die Arbeiter haben sich die Besucher als Einkommensquelle erschlossen und bieten hübsche Schwefelstücke an. Natürlich kann man die nicht wirklich brauchen, aber es wäre eine Schande, den armen Kerlen kein Zubrot zu gönnen.

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Langsam stieg die Sonne auf. Meine rechte Hand tat ziemlich weh, meine Schienbeine pochten und am Kopf brannte die Haut. Es war Zeit für den Aufstieg. Vor dem graute mir richtig, da ich die rechte Hand gar nicht mehr bewegen konnte. Aber im Hellen ging es dann doch weit besser als ich erhofft hatte!

Unterwegs konnte wir nun bei Tageslicht viel besser sehen, unter welchen Bedingungen gearbeitet wird.

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Oben auf dem Kraterrand konnten wir nun zum ersten Mal den See erkennen. Und wir sahen auch, wie steil der Weg nach unten wirklich gewesen war!

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Wir waren wirklich froh, als wir am Ausgangspunkt unseres Abenteuers wieder angekommen waren. DSC03697

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