Lustighansa, eine Rückfluggeschichte

Wie alles im Leben ging nun auch der Deutschlandaufenthalt zu Ende. Über den schreibe ich nie, weil ich sonst täglich fragen müsste: „Darf ich das im Blog schreiben?“.

Aber zumindest an unserer Rückkehr sollt Ihr teilhaben!

Wir waren einfach viel zu früh am Flughafen in Stuttgart. Ich hatte großzügige 3 Stunden Fahrt eingerechnet, denn in der Stadt von Projekt 21 weiß man ja nicht, welcher Stau einen gerade so erwischt.

Die Rückgabe des Mietwagens erwies sich auch nicht als aufregend, wir waren innerhalb von 5 Minuten fertig. Als letzte Unterhaltungsmöglichkeit nutzten wir den Flugticketdrucker der Lufthansa, steckten wie Kinder das Handy mit dem Barcode unter den Leser und freuten uns, dass alles so prima klappte.

Wir hatten ein paar Sachen eingekauft und da wir ja nicht in Deutschland wohnen und das im Pass haben eintragen lassen, bekommen wir die Steuer zurück. Cool, gelle! Also haben wir 2 müde Männer beim Zoll besucht. Das war ein wenig umständlich. Man muss die Ware vorzeigen, in diesem Fall ein großes Paket mi einer Playstation 4. Ja, brauche ich! Unbedingt 🙂
Wir fragten erst einmal, ob wir das Ding nur orginalverpackt mitnehmen könnten. Nein, wir könnten es auspacken, aber dann müsste er ein Siegel anbringen. Okay.
Als Bordgepäck ging das schlecht mit, ich hatte ja schon einen Rucksack. Der Koffer war voll. Mein Riesenpaket passte nicht in meinen kleinen Rucksack, also musste ich umpacken. Marc half mir und stopfte einen Beutel mit Kleidung in meinen Rucksack, wir öffneten die Verpackung der Playstation und stopften die Einzelteile in den Koffer. Der ging auch kaum noch zu. Menno. Der Zollbeamte war erstaunlich gelassen, während wir die Umverpackung auf dem Boden ausbreiteten und Koffer- sowie Rucksackinhalt hin- und herverschoben wurde.
Der Beamte war dann ziemlich bemüht auf den Koffer das amtliche Siegel zu kleben, weil das recht klein ist und es schlecht hielt. Was für ein Aufstand 🙂
Marc musste noch kurz auf die Toilette und ich saß  auf einem Bänklein, als mir mein Rucksack so schwer vorkam. Mir schwante Übles. Natürlich hatte Marc just den Kleiderbeutel erwischt, in dem mein wunderbarer zollfreier Wein aus Landau steckte! Oh je! Wild entschlossen diese Flasche nicht vor Abflug auf ex trinken zu müssen, ging ich mit der Flasche in der einen Hand und dem versiegelten Koffer in der anderen zurück zum Zoll.
Der Zöllner war schon verdutzt als ich ihm erklärte, dass der Wein mit müsse. Im Koffer. Und wir das Siegel öffnen müssten. „Ja, dann machen sie es doch ab“, meinte er. „Nee,“ sagte ich, „ich entferne doch kein amtliches Siegel“. Bin ja nicht lebensmüde, gelle!
Aber er hat es dann auch gleich eingesehen und wartete auch supergeduldig, bis ich im Koffer genug geräumt hatte und die Flasche reinpasste. Ein anständiger Mensch! Mit Engelsgeduld.

Danach mussten wir den Koffer abgeben, dort wurde bescheinigt, dass das Siegel ungebrochen war, mit dem Schreiben gingen wir zurück zum Zoll. Dort wurden ein paar Stempel aufgedrückt, noch eine Unterschrift und wir konnten bei der Bank die Steuer zurück fordern. Hui!

Wir brauchten unbedingt eine Pause, deshalb saßen wir im Café „Red Baron“, wo Panoramafenster einen Blick auf die Startbahn ermöglichen und tranken unseren traditionellen Abschiedstrunk mit einer allerletzten Butterbrezel. Als Schwäbin muss man das machen, es wäre sonst, als würde man in Rom keine Münze in den Trevibrunnen werfen!

Nun denn, auch die leckerste Brezel ist mal gegessen, den Fliegern beim Start zuzugucken macht auch nicht endlos Spaß, weshalb wir zum Check-in gingen. Dort saß ein bärtiger, äußerst gelangweilter, etwas dicklicher Mensch und guckte uns blöd an, als unser Ticket ein rotes Licht und einen entsetzlichen Quäkton erzeugte, aber das Türchen sich nicht öffnen wollte.

Auch mehrfaches, entschlossenes Vorgehen brachte kein Ergebnis. Erstaunlich! Der Herr über die Türöffnung maulte: „Und was steht da?“.
Woraufhin auch ich den in Schriftgröße 14 aufleuchtenden Hinweis „annuliert“ sah. Hallo? Annuliert? Vor einer Stunde haben wir erst die Tickets bekommen und jetzt annuliert? Fassungslos guckten wir den Menschen an, der vor Langeweile fast von seinem Stuhl gefallen wäre. Es muss eine Zumutung für ihn gewesen sein, uns erklären zu müssen, dass wir nun unsere Airline kontaktieren sollten. Er überwand sich sogar und hob den Arm, um mit müden Fingerzeig die Richtung anzugeben. Puh! Der Arme! So ein Stress aber auch!

Wir liefen etwas überrascht und verwirrt zum Schalter von Lufthansa. Dort vertrieben sich mehrere Passagiere in spe die Zeit mit Warten, während sehr mürrisch und müde erscheinende Damen unnahbar aussahen. Unnahbar aussehen kann eine Ganztagsbeschäftigung sein, wenn man das möchte. Man schuffelt Papiere umher, ignoriert die unwissende Meute vor einem und schaut möglichst unnahbar in die Ferne. Als würde dort etwas passieren, was die eigene Aufmerksamkeit so unglaublich fesselt, dass man noch unnahbarer wirkt. So standen wir in der Schlange und warteten darauf, fragen zu dürfen, was hier eigentlich gerade los sei.

Ich nutzte die Zeit für einen kurzen Plausch mit dem Herrn vor uns. Der wollte für 5 Wochen nach Malawi, um dort in einer Schule Notstromaggregate zu bauen. Das macht er als freiwilliger Mitarbeiter einer Hilfsorganisation. Er ist schon in Rente und macht das umsonst, sprich für Flug, Kost und Logie. Oh!! Ich hoffe, wir finden auch mal so eine Rentenbeschäftigung! Nach Malawi wollte ich schon immer!

Mittlerweile war eine weitere Dame gekommen, die etwas von Flug ausfallen und Bahn nehmen erzählte. Der Flug fällt aus? Ernsthaft jetzt? Haben die unterwegs Triebwerke verloren oder der Flugkapitän hat bei der Überprüfung bemerkt, dass das Getriebeöl mittlerweile auf der Landebahn verblieben ist? Eventuell ist der Flieger auch über dem Pazifik verschwunden und kann deshalb nicht eingesetzt werden? Himmel, 2 Stunden vor Abflug wird der Flug storniert? Und da gibt es keine Ansage, nichts? Man wartet, bis der gelangweilte Mann mit Triefaugen gähnt und darum bittet man möge doch selbst lesen, dass der Flug ausfällt? Die spinnen doch!

Da fackelte ich nicht mehr lange, ich ließ die Schlange Schlange sein und überholte alle rechts. Ich ging direkt zu der Fachfrau für Katastrophenankündigungen und ließ mir das haarklein erklären:
Zurück zum Ticketdrucker, eine Bahnkarte ausdrucken lassen (das passiert wohl öfter, oder? Wenn das schon einprogrammiert ist, dann haben die Erfahrung, gelle!), den 17.22 Uhr Zug nach Frankfurt nehmen.

Die Jahre in China haben mich eines gelehrt: warten lohnt nicht, man muss drängeln! Wir haben den Heimvorteil schamlos ausgenutzt!
So schnell wie Marc und ich am Ticketdrucker waren, konnten die anderen in der Schlange gar nicht gucken! Wir haben jeder einen Drucker in Anspruch genommen, damit es ja schnell geht. Wie der Blitz waren wir unten bei der S-Bahn, wo wir direkt in den dort stehenden Zug sprangen und erst drin guckten, ob der auch zum Hauptbahnhof fährt. Wir waren am richtigen Gleis in Stuttgart, bevor der Zug nach Frankfurt überhaupt einfuhr. So macht man das. Wer langsam ist, der wartet, bis ein Drucker frei wird, bis an einem Sonntag die nächste S-Bahn kommt, also bis zum Sanktnimmerleinstag!

So saßen wir also ruckzuck im Zug nach Frankfurt. Mit uns fuhren weitere Herrschaften, die blitzschnell auf die veränderten Reisebedingungen reagieren konnten. Plus einiger müde aussehenden Menschen, die ähnlich lustige Geschichten mit der Bahn aufzuweisen hatten. Wie die Dame, die uns gegenüber saß. Sie war mit einem Zug gefahren, der sich entschlossen hatte, die Sonntagsruhe ernst zu nehmen, just als er in der Mitte eines Tunnels war. Da blieb er stehen und hatte keine Lust mehr. So. Jetzt macht was! Die Leute saßen dann in einem heißen, stickigen Zug für 2 Stunden, bis eine fleissigere Lok das böse Kerlchen abschleppen konnte. Man kommt sich vor, wie in einem Drittweltstaat. Nur ohne die dort herrschende Freundlichkeit. Ehrlich.

Nun ja, immerhin verlief die Bahnfahrt störungsfrei und bequem war es auch. Marc meinte, dass unser Gepäck nun sicher per Kurier mit einem Sprinter nach Frankfurt käme, es sei ja massig Zeit. Tatsächlich waren wir wir schon um 18.40 Uhr in Frankfurt, unser Flug von Stuttgart wäre erst um 18.30 Uhr gegangen. Eigentlich ist es blöd die Strecke überhaupt zu fliegen.

FRA, der größte Flughafen Deutschlands ist schlimm. Was ist eigentlich bei uns los? Das Personal steht rum wie Schippe 7. Die Kleidung passt gar nicht, die Leute sehen aus wie reingeschubst. So stehen sie auch rum. Angeödet, genervt, unfreundlich. Sind das alle unterbezahlte Leiharbeiter? Marc nickt nur.
Ist dieses reiche Land nicht in der Lage Menschen vernünftige Arbeit zu geben, ordentlich auszubilden oder anzulernen? Wie das schon aussieht!
Der Umgangston! Sollte sich jemand über die mangelnde Integration Gedanken machen, keine Sorge. Die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund sind exakt genauso mürrisch und lustlos, wie ihre deutschen Kollegen. Als eine Stunde vor Abflug auf der Anzeige nur Gate B stand, aber ohne Angabe der Nummer (man hat ja nur die Wahl zwischen 30 Schaltern), wagte ich es beim VIP-Schalter der Airlines meines Vertrauens nachzufragen. Der junge Mann aus einem südlichen Ursprungsland war exakt so extrementnervt von meiner Störung, wie der lustige Mensch in Stuttgart. Ich hätte locker 90% der Belegschaft abgemahnt.

Wir schlugen die Zeit in Frankfurt tot und waren sehr froh, dass wenigstens der Flug von hier halbwegs pünktlich startete. Der Flug war dann ereignislos. Zum Glück. Grusel 🙂

In Bangkok angekommen schlug uns die Luftfeuchtigkeit wie eine Wand ins Gesicht. Das ist jedesmal schön, ich mag das. Schon das Stück auf der Gangway ist umwerfend!

Dann kam der Moment, wo Marc die Luft wegblieb. Wie unser Gepäck. Das war auch weg. Marc ist zu lange in Asien. Der glaubte an die Sprintertheorie! Ganz fest! In China, in Thailand, es wäre ein Sprinterlein beauftragt worden, das Gepäck zum nächsten Flieger zu bringen. Aber ich denke, selbst wenn jemand das Geld locker gemacht hätte, die Lustlosigkeit der Mitarbeiter hätte dazu geführt, dass die den Fuß gar nicht aufs Gaspedal gebracht hätten.

Die Leute am Gepäckschalter in Bangkok waren übrigens immens freundlich. Nur mal so am Rande. Die haben sich entschuldigt, obwohl sie ja nichts dafür können, was in 9.000 km passiert ist. Sie haben nachgesehen und unser Gepäck war noch in Stuttgart. Da ging es ihm ja auch gut. Ich habe unsere Anschrift und Telefonnummer hinterlassen, sowie die Nummer von der Wohnungsverwaltung, damit die Fahrer jemand haben, der den Weg erklärt.

Nun ja. Nicht schlimm. Nur mein wunderbarer Mann hatte so eine seltsame Planung seiner nächsten Geschäftsreise aufgestellt:
– es war 15.30 Uhr Bangkokzeit
– wir fuhren bis 17.30 Uhr nach Pattaya, das Auto wartete im Parkhaus auf uns
– um 19.00 Uhr kam der Fahrer und brachte Marc zurück nach Bangkok zum Flughafen
– um 21.00 Uhr war Marc wieder dort
– um 00.30 Uhr ging sein Flug nach Wuxi

Blöd war nur, dass die geputzten Schuhe, das Jacket und diverse Kleinigkeiten im Koffer waren. Also schnell Schuhe geputzt, Kleidung gerichtet und Ersatzzahnbürste usw. zusammengeworfen, eine Tasche gepackt und schon musste der Arme wieder los.

Ich möchte an dieser Stelle einwerfen, dass ich Alternativmöglichkeiten aufgezeigt hatte, die aber von meinem Ehegatten verworfen wurden! Jawoll! Ich weiß nicht, wie er das wegsteckt!

Ja, das war die Geschichte unserer Rückkehr. So einen lustigen Tag hatten wir noch nie, bisher haben wir so etwas nur gelesen.

Die Koffer kamen 2 Tage später. Wohlbehalten wurden sie direkt zur Tür geliefert. Also alles gut! Aber nun weiß ich wirklich, warum so viele Leute von einer Servicewüste sprechen, das ist mir vorher nie aufgefallen.

Nun ja, blicken wir nach vorne! Nach den Ereignissen mit der Lustighansa erwarten uns weitere Abenteuer in Lustigland!

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