Einmal Botschaft und zurück

Es gibt so Momente, in denen man erschrickt.

Bei mir war das der Fall, als ich an der laotischen Grenze stand und der Zollbeamte lange, lange blätterte und dann ganz erleichtert doch noch eine Seite fand, auf der der Visaaufkleber Platz hatte. Als er mir den Pass zurückgab, meinte er, der Pass sei jetzt nicht mehr nutzbar. Das verstand ich nicht und guckte so durch den Pass. Tatsächlich. Ich habe keine einzige ganz freie Seite mehr drin.

Eine kurze Recherche ergab, dass ich für die Ausstellung eines Passes meine Geburtsurkunde brauche, eine Heiratsurkunde, einen Beleg für die Namensänderung und bitte, bitte, die Abmeldungsbescheinigung meiner deutschen Heimatgemeinde.

Zu meinem Erstaunen hatte ich alles parat! Ich wusste sogar direkt, wo das abgelegt ist. Das will was heißen. Die Abmeldebescheinigung war zwar eingescannt und ausgedruckt, da machte ich mir dann ein wenig Sorgen, aber die war damals auf so dünnem Durchschlagpapier ausgestellt gewesen, mit Thermodruckverfahren, das kann man heute auch nicht mehr lesen.

So ausgerüstet, inklusive wunderbarster, noch in Deutschland erworbener computerlesbarer Fotos, ließ ich mich vom Fahrer abholen.

Marc sagt dem Fahrer immer nur morgens Bescheid, er solle mich abholen, und ich habe dann den Spaß dem Mann zu erklären, wohin ich will. Ich schreibe jetzt ganz kurze Sätze und lasse die per Internet übersetzen. Das kann er dann ablesen. Ich persönlich hielt das für die Errungenschaft überhaupt, bis er mir mal folgendes auf die gleiche Weise übersetzt zukommen ließ:
„มาดามครับต้องไปรับคุณมาครึดปล่าครับ“ übersetzt heißt das: „Madame, ich habe Sie die Festlichkeiten hier die Hälfte zu holen“.
Ihr seht, es ist für uns Beide nicht immer einfach 🙂

Aber diesmal funktionierte es ja ganz gut. Khun Guan, der Fahrer, hat die lustige Angewohnheit an einer Autobahnraststätte zu halten. Es ist immer die Gleiche und er holt sich immer einen Eiskaffee. Also das ist hier ein Becher voller Eiswürfel, der mit Instantkaffee aufgefüllt wird. Er liebt das Zeugs!

Anschließend fuhren wir den weiten, öden Weg nach Bangkok. All die Faszination der Anfangstage ist völlig verpufft und ich stöhne innerlich nur noch, wenn es nach Bangkok geht. Man ist nur froh, wenn es nicht regnet!

Khun Guan wusste auch in etwa wo die Botschaft ist und nach nur 2 Nachfragen bei netten Motorradtaxifahrern an der Ampel waren wir auch schon am Ziel. Der arme Mann ließ mich aussteigen und hatte den Riesenspaß einen Parkplatz zu suchen! In Bangkok! Da hat man echt ein schlechtes Gewissen!

Das Botschaftsgebäude ist enttäuschend, dafür ist das Schild hochglanzpoliert! Nicht mehr ganz neu, an den Ecken ist schon der Lack abgeblättert, aber guckt mal wie sauber! Das wird bestimmt täglich gewienert!

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Den Termin hatte ich online gemacht und mich tüchtig vorbereitet. Alle Unterlagen, die Fotos und den Pass hatte ich zigmal angeguckt und geprüft. Um eventuelle (endlose) Wartezeiten zu überbrücken, hatte ich mein Handy dabei (um Pokemon Go zu spielen, ich gebe es zu!), mein GPS (sollte es einen neuen Cache in der Gegend geben) und mein Lesegerät (sollte es zu einem völligen Zusammenbruch der Arbeitsabläufe in der Botschaft kommen). Also mir konnte ja gar nichts mehr passieren!

Frohgemut betrat ich die Botschaft und musste am Eingang meinen Pass zeigen. Dann die Handtasche öffnen. Dort guckte man ganz entsetzt auf meinen Technikpark und zeigte auf einen Mitarbeiter, der etwas weiter vorne im Gang stand. Dieser Unmensch nahm mir kaltlächelnd alles ab. Das Handy, das Garmin, das Lesegerät. Schloss es in ein kleines Schließfach ein und gab mir eine Nummer. Ich sag nix. Echt. Ich war sprachlos! Wie soll man sich in einer Botschaft denn beschäftigen?

So trapste ich unlustig hinein. Der Herr am Infostand war Thai und sprach deutsch. Wirklich gutes Deutsch. Ich war so irritiert. Ständig wollte ich englisch sprechen und musste das runterwürgen und deutsch sprechen. Der guckte ein bisschen komisch, aber auf der deutschen Botschaft in Bangkok sind so viele schräge Vögel, da kommt es auf einen mehr ja auch nicht mehr an, gelle!

Es herrschte das übliche geordnete Chaos. Menschen lassen sich noch Kopien machen oder brauchen Bilder. Junge Thais möchten Studentenvisas oder eine Arbeitserlaubnis. Ein hoher Prozentsatz der Visabeantragenden besteht aus jüngeren thailändischen Damen, in Begleitung meist älterer deutscher Herren. Aber wenn man in Pattaya lebt, da sieht man das kaum noch.

Ich konnte an dem Pulk vorbei, links einen Gang nehmen, dort am Ende ist das Passamt. Ich war viel zu früh dort, aber man muss ja mit dem Verkehr rechnen, man schafft es nicht die Reisezeit korrekt einzuschätzen. Brummig ärgerte ich mich, dass mein Technikpark zur Unterhaltung nicht bereitstand, als ich meinen Namen hörte. Man nahm mich direkt dran! Eine Stunde früher?

Ich konnte so viel Arbeitseifer gar nicht richtig glauben. Vor allem, weil in der Botschaft gespart wurde. Das Passamt besteht aus 3 Schaltern, jeder Schalter hat ein Fenster aus Sicherheitsglas und vor jedem Schalter ist eine Glaskabine. Man geht in die Glaskabine hinein, schließt die Tür und hat vor sich diese Scheibe und so eine Schiebevorrichtung, wie bei der Bank. Man kommuniziert per Lautsprecheranlage. Und die ist billig. Echt billig.

Um die Situation noch zu verschlimmern, sind die Kabinen nach oben offen. Und da die Lautsprecheranlage so quietisch verzerrte Töne von sich gibt, die man wirklich nur schlecht verstehen kann, ist die Anlage auf sehr laut gestellt. Also ich bin da ja nur kurz, aber die Mitarbeiter tun mir leid.

Die Dame dort war eine Deutsche, ungefähr in meinem Alter und total nett. Sie brauchte natürlich wirklich alle mitgebrachten Dokumente, war ich froh, den ganzen Stapel eingepackt zu haben. Aber, und das muss man auch mal anmerken, man hatte schon die Akte von der Ummeldung nach Chonburi bereit liegen. Sehr deutsch! Das könnt Ihr gar nicht würdigen! Bei der Immigrationbehörde wäre das anders. Wobei die das auch ordentlich machen, aber halt nicht so deutsch. Mir hat das gefallen. Wie Urlaub ist das!

So, nun kommt der Reisepass in 4 Wochen. Ich habe gleich die dickere Variante genommen, das kostet extra. Und da die Thailänder Könige im Erfinden von Geldeinnahmequellen sind, musste ich noch 25 Euro bezahlen, für eine Urkunde, die bestätigt, dass ich einen Visastempel im alten Pass hatte. Später darf ich dann in Jomtien bei Immigration sicher noch einen großzügigen Beitrag zum Bruttosozialprodukt leisten, damit mir ein neuer, wunderhübscher Aufenthaltserlaubnisstempel in den neuen Pass gedrückt wird.

So, nun hoffe ich, dass der neue Pass frühzeitig eintrifft und ich die Aufenthaltserlaubnis zügig erhalte, damit ich wieder reisen kann. Marc lästert schon, dass ich länger als 4 Wochen das Land nicht verlassen könnte 🙂

 

 

 

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