Muskelkaterblues

Ich habe mich mit der russischen Fitnessprinzessin getroffen. Ihr erinnert Euch? Ich suche ja einen Trainer. Sie war ein Fehlgriff.

Ich hatte ziemlich genau definiert, was ich lernen möchte: Kreuzheben, Schulter- und Bankdrücken, Kniebeugen und Rudern mit Langhantel. Das will ich.
Geboten bekam ich ein Programm mit Zumba, Yoga, Pilates. Himmel. Da falle ich vor Ödnis einfach um.

Nun habe ich meine Trainerin gefunden: Khun Sa!
Eine Thailänderin. Einen Kopf größer als ich, sehr schlank, aber Muskeln. Ihr Freund/Mann/Lebensgefährte ist ein bullig aussehender, muskelbepackter Russe, der irgendwo im Ural Hinkelsteine getragen haben muss. Spricht weder englisch noch thai, aber knurrt ganz gutmütig.

Er hat ihr wohl alles beigebracht. Okay, dachte ich, das wird nichts. Nie und nimmer. Ich kann schon bei den Thaimassagen nur staunen, wie die Wissensweitergabe funktioniert. 3 Stunden anlernen, fertig ist die Masseuse. Dann kann ich ja weiter Youtube gucken.

Aber man soll ja nicht gleich alles so negativ sehen, ich ging also zur Probestunde. Nett genug ist das Mädel ja.

Die Fahrt gestaltete sich schon vielversprechend. Das Fitnessstudio liegt nur 8 km entfernt, aber je nach Verkehr kann das zwischen 20 und 40 Minuten dauern, also machte ich mich früh genug auf den Weg. Dicke Wolken waren am Himmel, aber das zieht ja meistens weiter.

Diesmal nicht. Natürlich fuhren alle wie die ersten Menschen. Ausgerechnet jetzt musste ein Verkehrspolizist die Kreuzung regeln, was ständig in vollkommenem Chaos endet. Es begann zu tröpfeln, dann leicht zu regnen. Schnell habe ich das billige Plastikregenjäckchen vom Supermarkt angezogen. Nur noch 3 km.

Klar. Der langsamste Autofahrer der Welt war vor mir. Einer von denen, die gestern noch Moped fuhren, und heute meinen, das mit dem Auto ginge nach den gleichen Regeln. Solche Fahrer geben Gas und erschrecken dann, wenn sie die Schallmauer von 20 km durchbrechen. Der Regen wurde stärker. Noch 1,5 km. Er hielt an und stellte die Warnblinkanlage an.

An Überholen war nicht zu denken, der Regen war so stark, dass ich nichts mehr sehen konnte. Ich hüpfte vom Moped und stellte mich unter. Die Ladeninhaberin rettete mich und holte mich ins Geschäft, ich wäre da draussen trotz Jacke klatschnass geworden. Ich tropfte so schon den ganzen Boden voll.

Nach 20 Minuten war der Spuk ziemlich vorbei und ich fuhr schnell die paar Meter im leichten Regen. Puh! Und das für Sport!

Khun Sa begann direkt mit rumänischem Gewichtheben, Kreuzheben und Kniebeugen mit Langhantel. Hört sich toll an, gelle! Hach! Alles Youtube-Bildung 🙂
Ihr stellt Euch da jetzt bestimmt was Tolles vor! Sandra, fette Langhantel auf den Schultern, dicke Gewichte dran, ein gutturales Grunzen und los gehts.

Die Wahrheit ist eher trivial. Ich machte das alles nur mit der Stange. Kein Gewicht dran. Nicht einmal ein kleines. Tatsächlich trug Khun Sa fürs rumänische Gewichtheben die große Stange weg und holte eine kleine. Naja, dachte ich mir, wenn man klein anfängt, dann hat man wenigstens jede Menge Verbesserungspotential vor sich.

Und wisst Ihr was? Es war gar nicht so leicht. Mit Gewichten hätte ich es gar nicht geschafft. Jede Menge Verbesserungspotential, wirklich 🙂

Nun, danach ging es noch zur Beinpresse und plötzlich war die Stunde rum. Meine Beine fühlten sich an wie Pudding. Und ich fand es so toll!

Gut, denkt Ihr, die Sandra wurde geklont. Hier sitzt der sportliche Klon, aber wo ist die Original-Sandra? Diese unsportliche Person, die zwar mal joggen geht, aber ohne Druck nie und nimmer von alleine losliefe?

Ich weiss selbst nicht, was mit mir los ist. Aber wie immer, wenn ich etwas will, bin ich so erstaunlich fest entschlossen. Das ist ohne mein Zutun passiert, irgendwie.

Heute bin ich aufgestanden. Sagen wir, ich habe es versucht. Ging schlecht, sehr schlecht. Himmel, was brennt die Oberschenkelmuskulatur! Meine Güte!

Ganz hakelig ging ich zum Moped und fuhr zu Peter, einem alten Herrn von 80 Jahren, dem ich ein bissle mit seinem neuen Computer helfe. Der fuhr mit mir in den 20. Stock, um mir die Aussicht zu zeigen und wir mussten dann ein Stockwerk nach unten laufen. Fragt nicht.

Morgen ist wieder Training. Der Rücken diesmal. Ach geh weg, das wird sicher noch lustiger werden 🙂

 

 

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2 Antworten zu Muskelkaterblues

  1. YSSK schreibt:

    Super, Deine positive Einstellung – „jede Menge Verbesserungspotential“ ist schööööööön formuliert; das muss ich mir unbedingt merken.😂😍😇

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    • thaitonien schreibt:

      Ach ja, weisst Du, zwischen all diesen muskelbepackten Männern mit Riesengewichten auf der Stange fühlt man sich schon etwas verloren. Da muss man einfach nach positiven Gesichtspunkten suchen -)

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