Regierungspannen

Die liebe Militärregierung hat es nicht leicht. Sie kann einem leid tun.

Daran gewöhnt, dass man auf dem Exerzierplatz nur brüllen muß und es wird nicht gefragt und nicht gezaudert, sondern gehorcht, stehen die Uniformierten nun vor einer neuen Dimension der Befehlsgebung. Aber es klappt einfach nicht mehr so gut. Die Disziplin ist hin. Die Armen.

Es begann mit ein paar guten neuen Ideen. Von den Bushaltestellen für die Bahtbusse hatte ich Euch ja schon erzählt. Erste zaghafte Anfänge gab es auch, aber mittlerweile sind die guten Vorsätze vergessen. Die Bahtbusse fahren wie eh und je, halten wo auch immer es gerade gewüscht wird, bremsen scharf beim Anblick eines Kunden und die Haltestellen sind öfters zugeparkt. Man müsste das auch 24 Stunden am Tag kontrollieren, aber nach der ersten Woche hatten die Regierenden keine Lust mehr auf Straßenkontrollen.

Die Bevölkerung von Lustigland hat offensichtlich große Erfahrung mit Umgang mit denen „da Oben“ und übt sich in Geduld. Sie lächeln und warten 2 Wochen, anschließend umgeht man das Gesetz, so wie immer. Das klappt ja nun wirklich hervorragend. Zur Not bekommt der Herr Polizist eine kleine, winzige, fast unsichtbare Zuwendung, dann wird das schon!

Nun kam die liebe Regierung 3 Tage vor Songkran auf die wunderbare Idee man könne etwas für die Sicherheit auf Thailands Straßen tun. Immerhin hat Thailand die zweifelhafte Ehre weltweit an zweiter Stelle zu stehen, was Verkehrstote angeht. Und tatsächlich, es ist ein Herzenswunsch von Herrn Prayut – nein, nicht an erster Stelle zu stehen, was denkt Ihr denn – nein, er möchte das Siegerbänkchen ganz räumen.

Ein maßgeblicher Beitrag zur Sicherheit sollte das Verbot des Transportes von Menschen auf der Ladefläche von Pickups werden. Deshalb hat man das Verbot mit sofortiger Wirkung ausgesprochen.

Das ist witzig. Wenn Ihr morgens oder abends an einer größeren Straße in Thailand steht, dann fahren da ganze Trosse von Pickups mit ihrer menschlichen Fracht zu den Feldern und Fabriken.

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Wenn Herr Suleeporn seine Familie zum Picknick am Strand einlädt, dann versammeln sich Frau, Kinder, Großeltern, Nichten und Tanten, hüpfen auf die Ladefläche und los geht es! Man sitzt im fröhlich auf der Ladefläche, den Grill, die Kohle, die Leckereien in der Mitte gestapelt, mit Decken oder Hüten vor der Sonne geschützt und genießt den kühlenden Fahrtwind!

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Natürlich ist das nicht sicher. Klar, in Deutschland käme man so keine Straße weit, ohne dass die Polizei das Fahrzeug aufhalten würde.

Aber es war schon mutig, dieses Gesetz von einem Tag auf den anderen zu erlassen. Es zeigt die Arroganz und Entfernung zum Volk. Es gibt keinen öffentlichen Nahverkehr, die Menschen haben kein Geld für eigene Fahrzeuge, eigentlich steht damit die Nation still. Als würde man in Deutschland am Sonntag verkünden, ab Montag dürfe niemand mehr Auto fahren.

Gut, wir gingen mal davon aus, dass die Bevölkerung auch diesen Staatsstreich einfach aussitzen wird. Eine lange, zähe Woche überstehen und danach wie normal weiterleben würde.

Hach, die arme Regierung! Dieser Schuß ging nach hinten los! Die sonst so angenehm sanfte, tolerante, kompromißbereite und stoische Bevölkerung war überhaupt nicht begeistert. Und tat ihrem Unmut kund!

Das Internet platzte! Hier, wo die Ausübung der Meinungsfreiheit schnell mal mit 15 Jahren im Bangkok Hilton, dem größten Gefängnis des Landes, belohnt wird, regte sich im anonymen Umfeld massiver Widerstand. Eine unglaubliche Protestwelle ging durchs Land.

Höchst amüsierte hörten wir 2 Tage später die Nachricht, dass das neue Gesetz für Songkran nicht gelten solle und der Start um eine Woche verschoben würde. Aber selbst das half nicht! Nun teilte der stellvertretende Verkehrsminister Phichit Akrathit mit, dass das Verbot aufgehoben sei. Die Polizei soll nun Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit vom Personentransport erarbeiten.

Und das kann ja dauern. 🙂

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