Goroka, Tag 2, nach dem Fest

Wenn man 4 Stunden ohne Schatten in der Sonne gestanden hat, dann merkt man das. Mir war schummerig zumute, obwohl wir Kappen trugen. Als dann die Allgemeinheit Zutritt bekam, waren wir mehr als bereit zu gehen.

Zu meiner großen Enttäuschung war der LKW mit den Postern weg. Mist.

Wir mussten auch hier warten, bis das Sicherheitspersonal die Tore des Geländes öffnete und uns auf die Straße entließ. Wir trauten unseren Augen kaum: Menschen, so weit das Auge reichte.

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Dies war der einzige Weg zum Hotel. Quer durch diese Menschenmenge, deren Ende gar nicht zu erkennen war. Direkt vor dem Ausgang standen Militärfahrzeuge und bewaffnete Männer gestikulierten herum. Wir mussten nicht mal drüber reden, wir drehten direkt um und gingen zurück aufs Festgelände.

Marc war aufgefallen, dass die Touristengruppen mit Führer auf der gegenüberliegenden Seite des Geländes angekommen waren. Dort fanden wir dann auch einen Ausgang, der es uns ermöglichte um den ganzen Menschentross herum zum Hotel zu laufen. Wir kamen uns zwar ein bissle blöd vor, aber nach all den Ermahnungen wird man wirklich nervös.

Wir gingen zum Supermarkt und kauften Getränke und blieben im Hotel, bis es Zeit zum Abendessen wurde. Es gibt in Goroka genau 2 Restaurants: im Bird of Paradise und ein chinesisches Lokal. Bei dem wurden wir schnell Stammgäste!

Jeden Abend also das gleiche Spiel: wir liefen zum Restaurant, es hat eine mit schwarzer Folie verkleidete Glastüre mit einem kleinen Guckfenster. Man klopft also beherzt an die Scheibe und wartet, bis die Türe aufgeschlossen wird. Hinter einem wird direkt wieder zugesperrt. Was für ein Land!

Das Restaurant dient allen Touris, die nicht gerade im gegenüberliegenden Bird of Paradise untergebracht sind. Unter Vermieter hat jeden Abend um 18.00 Uhr die Gäste hingefahren und um 20.00 Uhr wieder abgeholt. Marc liefen lieber um 16.00 Uhr hin, guckten über den Markt, schauten bei der Post vorbei, machten kleine Einkäufe und gingen so essen, dass wir um 17.30 Uhr wieder zurückgehen konnten. Wir hatten ja gelernt, dass man im Dunkeln hier auf den Straßen nichts zu suchen hat.

Und als wir um die Ecke kamen, erspähte Marc den Laster mit den Postern! Toll! Der Fahrer saß drinnen und ich fragte ganz freundlich nach dem guten Stück! Er suchte ein wunderschönes Exemplar heraus, ganz ohne Knicke! Ich war seelig! Das kommt daheim neben das Poster vom Festival au Désert in Timbiktu.

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Ich war total glücklich und wir liefen an den Souvenirständen vorbei, als wir seltsame Geräusche hörten.

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Ich guckte Marc fragend an: „Waren das Schüsse?“
Mein Mann fühlte sich nicht zuständig, dabei war er doch mal beim Bund. Frauen finden einfach, dass Männer, die beim Bund waren so etwas wissen müssen! Wozu gehen die sonst dahin?

Die Frage wurde aber von den lieben Leuten, die hier ihre Waren feilhielten schnell beantwortet. Bevor wir überhaupt sehen konnten, wie eine Menschenmenge von der Geräuschquelle weglief, wurden wir schon an den Zaun gezogen. Mit Handbewegungen wurde uns bedeutet in die Hocke zu gehen, mit zu Gewehren geformten Händen und den Worten „Päng Päng“ war die Verständigung quasi automatisch gegeben – raus aus der Flugbahn der Kugeln.

Eine alte Dame hatte sich meiner angenommen. Sie war einen Kopf kleiner als ich mit meinen hehren 1,52 m, und hielt mich fest in ihren Armen. So saßen wir in trauter Umarmung in der Hocke und harrten der Dinge. Allerdings waren unsere neuen Freunde so ruhig und gelassen, dass wir zwar besorgt, aber nicht ängstlich waren.

Mittlerweile waren einige Militärfahrzeuge unterwegs, Waffen schwenkende Herren nahmen sich der Angelegenheit an. Und so schnell wie es passierte, war es schon wieder vorbei. Alle standen auf, uns wurde fröhlich zugewinkt, wir könnten nun weitergehen.

Wir bedankten uns für die so freundliche Hilfe und gingen vorsichtig weiter. Marc erzählte mir, dass er eine Art Sitzblockade gesehen hätte und als wir auf der Höhe der Post waren, hielten viele der Leute dort Tücher oder Jackenzipfel vor ihre Nasen. Wir spürten auch ein leichtes Jucken und Kitzeln, offenbar Tränengas.

Wir kamen noch im Hellen in unser Hotel. Die Warnungen hatten nun schon ein ganz neues Gewicht.

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