Ein Besuch beim Vorsitzenden Mao

Wir waren schon oft am Tian’anmen-Platz, aber wir haben nie die Gedenkhalle für den Vorsitzenden Mao, in dem die konservierten sterblichen Überreste aufgebahrt liegen, besucht.

Bisher war die Schlange der anstehenden Interessenten quasi endlos. Wer mag auch in der Sonne Chinas stundenlang herumstehen, um sich eine Leiche anzugucken? Diesmal aber waren nur sehr wenige Neugierige vor Ort, weshalb wir die Gelegenheit wahrnehmen wollten.

Allerdings hat die chinesische Regierung ein neues Bestätigungsfeld gefunden: man hat den Platz des Himmlischen Friedens „sicher gemacht“. Der gesamte Platz ist nun umzäunt, man muss seinen Reisepass an einem Häuschen, dass als Straßensperre dient, vorlegen, mal wieder das Gepäck durchleuchten lassen und kann dann erst auf den Platz gehen.

Vor dem Mausoleum wurde uns der Zugang von einem Soldaten verwehrt. Er war mit einem Megafon bewaffnet, dass er uns wenig enthusiastisch entgegenhielt. Darauf war ein Zettel in Englisch geklebt, mit dem Hinweis, dass wir unsere Taschen abgeben müssten. Ich fragte noch wo, natürlich, auf der anderen Straßenseite.

Dort stand ein kleines Gebäude, wo man wieder anstehen durfte. Es ging sehr schnell, es war ja kaum jemand vor uns. Wieder durften wir den Pass abgeben, unsere Passnummer wurde brav im Computer registriert, wir bekamen noch einen Abholzettel und durften wieder über die Straße überqueren.

Auch hier hat man sich etwas Witziges einfallen lassen: damit die Leute nicht einfach bei Rot über die Ampel rennen, steht da ein Mitarbeiter mit einem kleinen Rolltor. Sobald es Grün wird, schiebt dieser das ca. 50 cm hohe Gatter zur Seite und man kann die Straße betreten. Sobald es Rot wird verschließt er es wieder. Ich fand es drollig.

Nun, wir standen vor den Treppen zur Gedenkhalle und gingen gemessenen Schrittes nach oben. Unsere Unterhaltung wurde von einem ungehaltetenen Mitarbeiter mit einem energischen „Shhhh“ unterbunden und ein anderer Herr bestand darauf, dass wir die Hände aus den Manteltaschen nähmen.

So betritt man schweigend eine riesige Eingangshalle, in der man für 3 Yuan gelbe Blumen kaufen kann, die wiederum ein paar Meter weiter abgelegt werden dürfen. Garantiert werden die Blumen im Stundenrhythmus zurück in den Verkaufsstand getragen. Sagen wir mal, im Sinne der Nachhaltigkeit macht das ja auch Sinn.

Es geht weiter nach rechts, dort wird es sehr dunkel, der ganze Raum ist in Schwarz gehalten und in der Mitte steht ein Glaskasten. Sicherheitspersonal in Schwarz gekleidet achtet darauf, dass niemand stehen bleibt, aber da nur so wenig Besucher da waren, konnten wir quasi schleichend laufen und gucken.

Im Glaskasten liegt also Mao Zedong. Man sieht eine Decke, aus der nur der Kopf herausschaut. Den Kopf kann man nur von der linken Seite sehen und durch das Licht sieht die Haut gelblich aus. Mao war ja nicht sehr schlank und man sieht einen Fettwulst zwischen Kinn und Hals.

Wir hatten dann schon unsere Zweifel, ob nach so vielen Jahren die Haut noch so voller Hautfett und Feuchtigkeit ist, dass man da tatsächlich eine Fettwulst erhalten kann. Zumal man damals die Vietnamesen um Hilfe bitten musste, es fehlten ja eigene Erfahrungen. Eine Filiale von Madame Tussaud’s ist übrigens nur eine Straße weiter, ein Schelm, der Böses dabei denkt.

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2 Antworten zu Ein Besuch beim Vorsitzenden Mao

  1. verbalkanone schreibt:

    Wenn ich deine Beiträge lese, denke ich ganz oft „andere Länder, andere Sitten“. Und das, was du oben beschrieben hast, wirkt bei allem Respekt auf mich unfreiwillig komisch … 😉

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  2. Harald schreibt:

    1989 hatte ich ihn auch besucht, den großen Vorsitzenden. Damals gab es einen Seiteneingang für Langnasen zum Abkürzen der Warteschlange. War sehr geschickt gemacht, die Chinesen in der Warteschlange konnten uns nicht sehen, wir kamen auch nicht in die große Vorhalle. Die Beleuchtungsfarbe war etwas schräg, das wurde mit der eingetretenen Verfärbung der Haut des großen Steuermannes begründet. Schuld hätten die Russen, die die Einbalsamierung absichtlich fehlerhaft gemacht hätten.

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